Neustadt 1701
  Michael Wening, Ansicht der Stadt Neustadt a.d. Donau, 1701 /  Bayerische Staatsbibliothek München
Neustadt an der Donau
Stadtpfarrkirche St. Laurentius
Dekanat: Abensberg-Mainburg
Bistum: Regensburg

Geschichte und Gestalt der Stadt

Im Jahr 1270 gründete Herzog Ludwig  II. der Strenge von Oberbayern den Ort in Donaunähe zur Nutzung und Kontrolle der Strecke von Ingolstadt nach Regensburg zu Wasser und zu Land.
Durch eine in jener Zeit nicht unübliche Siedlungsverlegung sind die  Altsiedlungen
‚Seligenstadt’ und ‚Trephenau’ wohl mitsamt ihren Funktionen in der Neusiedlung Nova Civitas  [= Neustadt] aufgegangen. Bereits 1273 gewährte der Stadtherr den Bürgern ein erstes Stadtrecht. Vor 1290 wurde  eine  Zollstätte  errichtet,  die  vor allem  für  den  Salz-und Viehverkehr von Bedeutung war.
1350 folgte die Übertragung des Ingol- städter Rechtes durch Ludwig den Bran- denburger als großer Freiheitsbrief, in dessen Folge die städtischen Strukturen ausgebaut werden konnten.  Erst bei den staatlichen Reformen zu Beginn des 19. Jh. verlor Neustadt seine 500-jährige kommunale Verfassung.
Die geometrische Stadtanlage mit quadratischem Grundriss zu je 300 m Seitenlänge entspricht dem wenig größeren Kelheimer Vorbild; bis spätestens 1363 konnte die Ringmauer geschlossen werden. Die Stadt wird durch die breite, in Nord-Südrichtung verlaufende Durchgangsstraße etwa hälftig geteilt; die Mitte dieser Achse kreuzt  ein  platzartiger  Straßenzug,  der  prominente  Ort  für  die Pfarrkirche  im Westen  und  das  Rathaus  im  Osten,  wobei  dem Kirchturm auch die Funktion des Stadtturmes zukommt. Die Kirche war ursprünglich Filiale der Pfarrei Gögging, 1653 wurde der Pfarrsitz nach Neustadt verlegt. – Das stattliche zweigeschossige Rathaus entstand am Ende des 15. Jh., die Hauptstraßen sind seit dem 17./18. Jh. von zweigeschossigen giebelständigen, im 19. Jh. zumeist erweiterten Häusern bebaut. Nicht wenige Teile der Stadtbefestigung wurden im ausgehenden 19. Jh. geschleift, insbesondere auch die Tore; an der Ost- und Westseite der Altstadt  sind Türme, Stadtmauern und Wallanlagen noch weitgehend erhalten. – Am Ende des 2. Weltkrieges erlitt die Stadt schwere Zerstörungen, der Wiederaufbau erfolgte unter Berücksichtigung der historischen Strukturen. Die Stadt verlor  in der Nachkriegszeit  ihren agrarischen Charakter und wandelte sich zum Industriestandort.

Die Stadtpfarrkirche Sankt Laurentius
Patrozinium: St. LaurentiusFesttag: 10. August
Baugeschichte

AltarraumDer Schnittpunkt der beiden großen Straßenachsen  ist  seit den  Gründungs- zeiten der Stadt der Ort für das bürgerliche und kirchliche Zentrum, für Rathaus und Pfarrkirche. Hier wurde im ausgehenden 13. Jh. eine  erste  Kirche  erbaut,  an  gleicher  Stelle    errichtete man im ausgehenden 15. Jh. die mächtige LaurentiusKirche  als  spätgotische  Hallenkirche,  deren  Architektur  bis  zu  den Zerstörungen von 1945 mit ihrem Chorturm über quadratischem Grundriss  vollständig  erhalten  geblieben war.  Ein Netz gewölbe  überspannte  in  gleicher  Höhe  Chor  und  Langhaus  zu  sieben  Jochen, die Seitenschiffe  schlossen  im Osten mit Schrägen. Die Innenausstattung der Kirche war jedoch durch die Jahrhunderte, bedingt durch die wechselnden  liturgischen Anforderungen ebenso wie auch den jeweiligen Zeitgeschmack, verrändert worden. Bis 1945  waren  Teile  der  spätgotischen  Ausstattung  überkommen,  so  der  Taufstein,  einige  Figuren,  Flügel  eines  Schreinaltärchens und nicht zuletzt zahlreiche Epitaphien, deren  ältestes von 1483 datiert. Altarfügel,  einige Figuren  sowie  ein  Teil der Epitaphien/ Gedenksteine haben sich erhalten. Einen spätgotischen Kruzifxus veräußerte man nach 1920 nach Ingolstadt,  St. Moritz.
MonstranzSelbst während des 30-jährigen Krieges wurde die Kirche weiter  ausgestattet: um 1640 entstand die reiche Monstranz mit  Ingolstädter Beschauzeichen. Nach dem Krieg konnten 1673 und 1683 Glocken neu angeschafft werden. Im  bau-und ausstattungsfreudigen  Barock- zeitalter  wurden  schrittweise umfassende Änderungen am Äußeren und im Inneren  der Kirche vorgenommen: 1723 erhielt der Turm ein neues Obergeschoß, ausgeführt vom örtlichen Maurermeister Lorenz Zeller,  1741 wurden neue Kirchenstühle angeschafft. 1743 folgte die Errichtung neuer Seitenaltäre, beauftragt waren Neustädter Handwerker, der Schreiner Balthasar Schnidtmann sowie der Fassmaler  Christian Fröhlich. 1773 erhielt der Turm eine neue barocke Kuppel. Den Abschluss der Umgestaltung im Inneren bildete die Anschaffung des neuen Hauptaltares, dessen Altarblatt von 1779 das  ‚Martyrium des hl. Laurentius’ von Christian Fröhlich, Kopie nach  Joachim von Sandrart d. Ä., zeigte. Zu diesem Zeitpunkt gab es in  der Pfarrkirche fünf Altäre: Den Hoch-und Fronaltar St. Laurentius auf den Chorantritts-Stufen, auf der Südseite den Marienaltar  an der Chorschulter sowie den Katharinen-Altar in der Mitte; auf  der Nordseite an der Chorschulter den Josephs-Altar und mittig  den Sebastians-Altar.  Der um das Kirchengebäude gelegene Friedhof wurde 1802 an die  Nikolaus-Kapelle  verlegt,  1817 war  jedoch noch  ein Karner  auf  der Südseite der Kirche vorhanden.  In der Mitte des 19. Jh.  sah  man jedoch die barocke Innenausstattung mit Unbehagen, so entstand unter Pfarrer Joh. Nep. Poitsch 1854–1867 die neugotische,  „dem Baustyle der Pfarrkirche nicht unangemessene“ Ausstattung  mit drei Altären, dem Hochaltar nun im Chorraum, zwei Seitenaltären von P. Ildephons Lechner OSB  Metten, einer Kanzel von Prof. Horchler,  Regensburg,  und  einem  neuen  Kreuzweg.
1899/1900  kam  es  zur  nächsten  Innenrenovierung  unter  der  Leitung  von Maler  Scholz,  entsprechend  der  Raumfassung von Hl. Geist in Landshut. Eine neue Orgel wurde 1902 gestiftet. Die nächste Gesamt-Renovierung  leitete  Bildhauer  Hans  Loibl,  Regensburg  1929;  dabei  wurden  im  Inneren ältere Wand- und Deckengemälde entdeckt, deren Konservierung  jedoch aus Mittelknappheit unterbleiben musste.
Am Ende des 2. Weltkrieges,  im April 1945, wurden Kirchturm und Kirchenausstattung  durch  Artilleriebeschuss und Tieffieger beschädigt; im  Oktober  1945  kam  es  zum  Einsturz  des Turmes und in der Folge zur Zerstörung des Chorgewölbes  sowie  zur  teilweisen Vernichtung von Dachstuhl  und weiterer Ausstattung. 

KonsolbuesteDie Aufbauarbeiten unter der Leitung  von  Regierungsbaumeister  Franz  Günthner,  Regensburg,  gestalteten  sich  wegen  Mangel  an  Baumaterialien und fnanziellen Mitteln außerordentlich  schwierig. Dabei wurde  das  Langhaus im zerstörten östlichen Bereich um ein Joch verlängert und die Abschlusswände der Seitenschiffe  verändert. Der Grundstein  zum  Teil-Wiederaufbau  unter  Pfr.  Josef  Fichtl  nennt  das  Jahr  1947[8?],  Grundsteinlegung  18. Juli 1948. Unter Verzicht auf eine Rekonstruktion erfuhr der  somit weiter östlich verlagerte Chorturm  eine Neugestaltung,  in  der Entstehungszeit  als  Friedenslicht  in  Form  einer  brennenden  Kerze verstanden. Die Kirchweihe vollzog Erzbischof Dr. Michael  Buchberger im Jahr 1951. Der neue Kreuzweg, Glas- und Brettmalerei von Robert Rabolt konnte 1956  geweiht werden. 

Die  nun  abgeschlossenen  Erneuerungsarbeiten unter Regionaldekan  und  Stadtpfarrer  Msgr.  Johannes  Hofmann  waren  am  Äußeren  ab  1997 dem Ing. Büro H. Siegmüller,  Regensburg,  übertragen.  Bedingt  durch  die  Hochwasserkatastrophe  vom Jahr 1999 kam es zu einer Unterbrechung  der  Bauarbeiten.  Ab  2002/03 war  für die  Innenerneuerung Dipl.  Ing.-Arch. FH Peter Fischer, Neustadt, verantwortlich. Die  künstlerische  Leitung  oblag  Prof.  em.  Franz  Bernhard  Weißhaar,  München- Landsberg,  der  die  Entwürfe für die Umgestaltung des Chorraumes mit Zelebrationsaltar,  Ambo und Tabernakel ebenso wie für die neue Gestalt der Seitenaltäre an den Chorschultern und das Olearium fertigte. Weiter entwickelte er zusammen mit P. Fischer die Pläne für Kirchengestühl  und Beichtstühle, mit Orgelbauanstalt Christian Kögler, St. Florian, den Orgelprospekt. Schließlich war ihm auch die Erweiterung  des Bestandes der Farbfenster übertragen. Die Weihe des neuen  Altares nahm Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller am Kirchweihsonntag des Jahres 2007 vor.

Außenbau

Der verputzte Ziegelbau  aus dem Ende des 15.  Jh. überragt die  Hauslandschaft  der  Kernstadt,  sein  durchlaufendes  Satteldach  überdeckt sowohl den Chor wie das Langhaus zu acht Jochen. Die  originalen, im Spitzbogen schließenden Portale liegen in der äußersten westlichen Achse. Neu geschaffen  sind die Zugänge mit  Vorhallen an der Südseite in der 4. Achse sowie im Norden in der  2. Achse. Die ebenso im Spitzbogen abschließenden Fenster sind  durch je zwei senkrechte, durchgehende Rippen gegliedert. Haustein wird sparsam in einzelnen Gewänden verwendet. 

Über dem eingezogenen Chor erhebt sich der hohe Chorturm zu  fünf Geschoßen aus Marchinger Drosselfels (Kalkstein), mit hohen  Schallöffnungen  des  Glockengeschoßes  in  Dreierreihung;  darüber  das  durch  Giebel  überfangene  Uhrengeschoß  mit  gestäbter Flächengliederung in Anlehnung an die Rathausfassade.  Den Abschluss bildet ein  schmales, hohes Türmchen mit pyramidaler  Dachung  über  achteckigem  Grundriss;  Sakristeibau  über  zwei  Geschoße  an  der  Nordseite  des  Chores,  Neubauten  von  1948/51, Architekt  Franz Günthner,  Regensburg.  –  Epitaphien s. u.


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