Überlegungen zum neuen Heiligen Grab
in der Stadtpfarrkirche St. Laurentius in Neustadt a.d.D.
In der Karwoche 2011 wird der Marienaltar nicht nur geschlossen,
sondern ganz verhüllt werden. Dort wird das Heilige Grab zu sehen
sein – neu geschaffen für das Gedenken der Christen an die
Grabesruhe des Leichnams unseres Heilandes in einer Felsenhöhle in
jenem Garten, von dem gesagt ist, er habe nahe bei der
Hinrichtungsstätte gelegen.
Die Passionsgeschichte nach dem Evangelisten Johannes wird all denen
noch in Ohr und Sinn sein, die nach der großen Liturgie des
Karfreitags an das Grab herantreten. Dabei werden sie Einzelheiten
entdecken, die ihnen helfen wollen, beim Nachsinnen und Beten an den
Kar- und Ostertagen. Sie sehen den Leichnam Jesu eingebunden mit den
Leinenbinden, von denen die Evangelisten geschrieben haben. Die Blume,
die am rechten Grabpfeiler gemalt ist, bedeutet die Narde, das
Gewächs aus dem jenes kostbare Salböl hergestellt wurde, das
Maria Magdalena über Jesu Füße gegossen hat. Als die
Jünger meinten, es wäre dies Verschwendung, nahm Jesus die
Frau in Schutz als er sagte, sie habe dies für sein Begräbnis
getan. Für Magdalena freilich war diese Handlung zugleich ihr
Bekenntnis zu Jesu Königswürde und Messiasamt.
Auch die stachelige Aloe ist zu sehen, aus der das andere Salböl
stammt, das Nikodemus herbeibrachte, um Jesu Leichnam für die
Bestattung zu salben und in Leinen zu wickeln. (Textverweise auf die
Bibelstellen und die hebräischen Namen der Pflanzen sind
winzigklein darunter aufgeschrieben.)
Die Zwergzichorie zählt zu den Bitterkräutern, die beim
jüdischen Ostermahl und eben auch beim Abendmahl als Vorspeise
dienten, in dem sie in Salzwasser getaucht auf ungesäuerte Brote
gelegt und gegessen wurden. Sie bedeuten nach Überlieferung der
rhabbinischen Lehrer die Bitternis, die die Vorväter in
Ägypten hatten erleiden müssen. Hier weisen sie auch auf das
bittere Leiden Jesu Christi hin. Rote Siegel schließlich erinnern
an die vom Evangelisten Matthäus überlieferte Maßnahme
der Hohen Priester und Pharisäer, das Grab zu versiegeln und damit
die Sache „Jesus, der Messias“ endgültig
abzuschließen. Von kleinen Nebensächlichkeiten angeleitet,
sollen die Beter am Heiligen Grab zum Geheimnis der Auferstehung finden.
Das wünscht Ihnen der Maler
Franz Bernhard Weißhaar
|