Findet man eine Türe nur angelehnt, kann man nicht sicher sein, ob man eintreten darf und willkommen ist oder auch nicht. Vielleicht zeigt das Anlehnen nur an, dass jemand aus und einging, ohne noch ans Schließen zu denken oder gleich wiederkommt. An der neuen Priestergrabstätte im Waldfriedhof der Stadt Neustadt a.d.Donau gibt es eine solche angelehnte Türe aus schwerem Metall an einer Felsenpforte. Tor und Schwelle zur Ewigkeit ist damit gemeint. Schauen wir genauer hin, erkennen wir eine in die Bronze eingemeißelte Schrift: WIR
BITTEN AN CHRISTI STATT,
LASST EUCH MIT GOTT VERSÖHNEN.
Sehr dringend und drängend, warnend und beschwörend ist dieser Satz, der die Bedingung ausspricht für ein glückliches und befreiendes Hindurchschreiten durch das Tor in die jenseitige Welt, die Welt Gottes, die Ewigkeit. Wie könnte man besser als mit diesem Satz auf den Türflügeln zur Ewigkeit die Aufgabe der Priester beschreiben, Mahner und Mittler zu sein im Dienst der Versöhnung? Deshalb auch steht auf der oberen Bronzeplatte über den Namen der Verstorbenen der Satz: GEDENKET
DANKBAR EURER + PRIESTER
Sie, die Priester, haben in ihrem Leben immer wieder von Neuem die Versöhnung mit Gott angemahnt und Vergebung in den Sakramenten vermittelt, angefangen bei der Spendung der Taufe und weiter im Bußsakrament, bis hin zur Krankensalbung in Todesnot. Mit ihrer ganzen Existenz standen sie alle Tage ihres Lebens für die Gemeinde vor Gottes Angesicht. Dafür gebührt ihnen ein Gedenken von allen in Dankbarkeit. Ein in die Oberschwelle des Felsentores eingemeißeltes Kreuz will bekunden, dass durch den Kreuzestod Jesu Christi der Zugang zu Gott dem Vater für uns alle aufgesperrt wurde: Die
Türe – sie ist nur angelehnt.
Prof. Franz
Bernhard
Weißhaar
Planer des Grabmals |